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Lilli Gros

Als Ausländerbeauftragte der Stadtverwaltung Pforzheim war ich von September 1992 bis November 2005 tätig.

Besonders schätzte ich an diesem Aufgabengebiet, Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen kennen zu lernen. Oft wurde geäußert: „Oh, Sie haben sicher mit sehr vielen Problemen zu tun!“

Nein, so empfand ich meine Arbeit nie, sondern als großeBereicherung. Denn ich hätte vermutlich nie die Möglichkeit gehabt, so vielen liebenswerten Menschen ausländischer Herkunft zu begegnen, die hier in Deutschland versuchen, eine zweite Heimat zu finden. Und ich lernte dadurch auch, was es bedeutet, die Heimat -aus welchen Gründen auch immer - verlassen zu müssen.

 

lilli@keralahilfe.de

Lilli

Es dürfte im 2. oder 3. Jahr meiner Arbeit als Ausländerbeauftragte gewesen sein, als John Kanniyakonil, der später die Kerala-Hilfe ins Leben rief, sich bei mir erkundigte, ob ich für alle Ausländer zuständig sei. „Ja, das fühle ich mich zumindest!“ war meine Antwort. Er bat mich über meine Arbeit innerhalb eines Seminars, das für seine indischen Landsleute statt fand, zu berichten.  Für mich war es eine große Freude, mit Indern in Kontakt zu kommen. Denn Indien war schon in meiner Jugendzeit eines der Länder, die mich besonders faszinierten. Aber ich hätte mir damals nie träumen lassen, dass ich es mir je leisten könnte, Indien einmal zu sehen. In der Zwischenzeit lernte ich auf einer Rundreise Nordindien kennen und sah selbst die unendliche Armut in diesem wunderschönen Land. Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, als John die Kerala-Hilfe gründete, eine Patenschaft zu übernehmen. Mein Mann sagte damals zu mir: „Nimm eine Familie mit Mädchen. Du weißt, sie sind noch mehr als Jungen benachteiligt.“ So kam ich zu meiner Patenfamilie, Mary, die Mutter und ihre drei Mädchen Merin, Ligin und Megha. Vor 3 Jahren besuchte ich sie in Putthapally in Kerala/Südindien. Normalerweise ist es nicht möglich, bei seinen Patenfamilien zu wohnen. Denn meist leben sie in Hütten ohne sanitäre Anlagen und ohne Einrichtung. Bei Mary ist es deshalb etwas anders, weil ihr Mann, ehe er ermordet wurde, noch eine Art Rohbau errichtet hatte. Die Kirche ermöglichte ihr, das Haus so weit herzustellen, damit sie und ihre Kinder zumindest darin leben können. „ Aber es sieht nach wie vor wie ein Rohbau aus. Das Wasser muss aus dem Brunnen geholt werden. Mir zu liebe, räumte Mary ihr Schlafzimmer, das nur dürftig möbliert ist. In den ersten Tagen dachte ich: „Was habe ich mir angetan.“ Aber als ich sah, wie glücklich Mary und die Kinder sind und wie sie versuchen, mir ihre Dankbarkeit zu zeigen, brachte ich es nicht über mich, zu sagen: „Ich nehme mir ein Hotelzimmer.“

Es ist für mich ein unvergesslicher Urlaub. Meine Patenfamilie ist mir ans Herz gewachsen. Wir schreiben uns. Regelmäßig schicke ich ihnen zum Geburtstag oder anderen Festtagen einen Extrascheck. Denn bedauerlicherweise sind Päckchen zu schicken, sündhaft teuer. Zwei der älteren Mädchen beginnen mit dem Studium. Ich werde sie alle so lange unterstützen bis sie mit dem Studium fertig sind.

Schade, dass Indien so weit weg ist. Gerne würde ich noch einmal hin fliegen. Irgend wann habe ich es noch einmal vor.

Mit dieser Patenschaft habe ich das gute Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Vor allem, jeder Cent kommt dort ohne Verwaltungskosten an. Und das ist mir wichtig, dass mein Geld die Adressaten erreicht.

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